Beitrag aus 2014. Technik, Preise und Förderung haben sich seither geändert. Den aktuellen Stand finden Sie unter Gewerke im Altbau.
Die Bohrung und der Kleber genauer betrachtet
Im Grunde macht die Schraube in der Bohrung nichts anderes als zwei Körper zusammenzuziehen. Die Drehwirkung der Schraube bewirkt dank dem Gewinde, dass die Zugkraft größer wird. Die Kraft lastet letztendlich an dem Gewinde und am Schraubkopf. Eine normale Schraube ist daher nicht für Querkräfte ausgelegt, diese sollten über die Kontaktfläche des Materials aufgenommen werden.
Beim Kleber ist im Grunde fast alles anders: Er besteht aus dem Klebstoff und einem Lösungsmittel, welches sich beim Klebevorgang verflüchtigt. Der Klebstoff härtet aus und geht mit der Kontaktfläche eine chemische Bindung ein. Am stärksten ist hier eine Atombindung, am schwächsten eine zwischenmolekulare Bindung durch Wasserstoffbrücken, Van der Waals Kräfte oder Ladungen. Der Kleber kann neben Zugspannungen entgegen der Schraube auch gut Querkräfte aufnehmen, da die gesamte Fläche mit der Kraft belastet wird. Etwas anders formuliert: Ein im Boden verschraubter Block ist leichter „wegzuschieben“ als ein geklebter.
Welche Arten von Schrauben und Klebern gibt es?
Für die verschiedenen Materialien gibt es entsprechende Schrauben bzw. Kleber. Bei beidem muss man darauf achten, gerade beim Kleber kann eine Fehlentscheidung sonst sogar destruktive Auswirkungen haben, denn manche Lösungsmittel lösen auch die zu klebenden Materialien. Den meisten passiert das beispielsweise beim Kleben von Styropor. Bei Bildern ist das eher Nebensache, doch muss man sagen, dass so etwas bei Schrauben bzw. Bohrungen nicht passieren kann. Hier besteht immer die Möglichkeit, die Befestigung wieder zu lösen. Das ist neben der enormen Zugkraft wohl eine der stärksten Vorteile von Schrauben. Als Nachteil wäre vielleicht Korrosion anzuführen. Manche Schrauben rosten – das macht ein Kleber nicht. Der Vorteil von Kleber ist dagegen, dass es besonders bei Bildern ungleich einfacher ist, Dinge zu kleben als zu verschrauben. Das geht sogar bis hin zur Unmöglichkeit: Eine zerbrochene Skulptur oder einen Deko-Wandteller kann man nur durch Kleben richtig reparieren – da ist schon ein zweiter Vorteil versteckt: Beim Kleben bleiben keine sichtbaren Befestigungsrückstände zurück – oder anders: Eine Schraube sieht man manchmal, den Kleber nicht. Natürlich gibt es unzählbar viele unterschiedliche Arten von Klebern und Schrauben. Hier mal ein paar Beispiele: Schrauben:- Senkkopfschrauben
- Stockschrauben
- Blechschraube
- Maschinenschraube
- Schraubenhaken
- Zierkopfschraube
- Linsenkopfschraube
- Spanplattenschraube
- Kunststoffkleber
- Porzellankleber
- Zwei-Komponenten-Kleber
- Heißkleber
- Klebestifte
- Klebefolien
- Klebepads
- Tapetenkleister
Kleben statt Bohren – Vorgehensweise
Im folgenden Video werden selbst Griffe mit einem sehr ausgeklügelten System aufgeklebt. Im Belastungstest stellt ein 100 kg schwerer Mann unter beweis, dass der Griff fest verklebt wurde. Beim Kleben muss man bis auf das Material nichts beachten was nicht auf der Verpackung steht. Man nimmt den Kleber oder die Klebepads, befestigt diese am Bild und hängt das dann an die Wand. Die Kontaktflächen sollten vorher saubergemacht werden. Schrauben ist da schon komplizierter. Schraubt man in Holz kommt man im Grunde zwar ohne Bohrung oder Leitungssuche aus, aber dennoch muss man dafür einiges an Kraftmehraufwand leisten, als wenn man Kleben würde.
Bei Beton ist es komplizierter: Mit einem Steinbohrer wird das Loch gebohrt, in welches ein Dübel kommt. Im Anschluss daran wird die Schraube hinein geschraubt, am besten gleich ein Schraubenhaken. Erst beim Trockenbau mit Gipskartonplatten, wird es etwas aufwendiger: Hier benötigt man einen Klappdübel, wenn man das Bild richtig befestigen will.
Praxistipp: Um das Bild optimal an der Wand auszurichten, empfihlt es sich, eine Wasserwaage oder einen Kreuzlinienlaser zuhilfe zu nehmen. Dabei sollte mit dem Bleistift eine horizontale Linie auf die Wand projiziert werden. Allerdings darf diese nicht über die Bildfläche hinausgehen.
Wichtig: Bei allen Wandtypen außer bei Holz sollte darauf geachtet werden, dass man keine Leitung (Strom, Wasser, Gas) erwischt. Beim Schrauben benötigt man also deutlich mehr Equipment als beim Kleben.