Bestandsgebäude seit 1998 · Schwerpunkt Baujahr vor 1979

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Gründerzeit sanieren (bis 1918)

Vollziegel, Holzbalkendecken, Stuck und Kastenfenster — hohe Substanzqualität, hoher Wärmeverlust.

Bauzeit
bis 1918
Spez. Heizlast
120–160 W/m²
Anteil
rund 10 % des Wohnbestands
Stand
09/2026

Typische Konstruktion

Typischer WandaufbauGesamtdicke rund 415 mm
Kalkputz innen 15 mmVollziegel in Kalkmörtel 380 mmKalkputz außen 20 mm

Ungedämmt liegt der Wärmedurchgang dieser Wand bei etwa 1,4 W/m²K. Nach einer Außendämmung mit 16 cm erreicht dieselbe Wand rund 0,20 W/m²K.

  • Außenwände aus Vollziegel, 38–51 cm, in Kalkmörtel — U-Wert typisch 1,3–1,6 W/m²K
  • Holzbalkendecken mit Einschub und Lehmschlag, Trittschall entsprechend schlecht
  • Kastenfenster mit zwei Ebenen, oft noch original und instandsetzungsfähig
  • Dachstuhl als Pfetten- oder Kehlbalkendach, meist ungedämmt
  • Kellergewölbe oder Kappendecken ohne Horizontalsperre
Wohin die Wärme entweichtAnteile am Transmissions- und Lüftungsverlust
30 %18 %20 %8 %24 %
AußenwandDachFensterKellerLüftung

Richtwerte für ein unsaniertes Gebäude dieser Baualtersklasse. Die Reihenfolge der Sanierung folgt dieser Verteilung nur bedingt — entscheidend ist zusätzlich, wie günstig eine Fläche zugänglich ist.

Was in dieser Baualtersklasse häufig auftritt

  • Feuchte im Sockel durch fehlende Horizontalsperre, oft mit Salzausblühungen
  • Fäulnis an Balkenköpfen dort, wo Holz in feuchtes Außenmauerwerk einbindet
  • Undichte, aber reparable Kastenfenster; Wärmeverlust primär über Fugen
  • Elektrik mit klassischer Nullung ohne Schutzleiter
  • Stuck unter mehreren Schichten Dispersionsfarbe

Sinnvolle Reihenfolge

SchrittMaßnahme
1Feuchte im Sockel klären und beheben, bevor irgendetwas gedämmt wird
2Dach und oberste Geschossdecke dämmen — größter Effekt je Euro
3Fenster instand setzen oder denkmalgerecht erneuern, Laibungen mitdenken
4Elektrik und Leitungen erneuern, solange Wände offen sind
5Heizung auf niedrige Vorlauftemperatur umstellen
6Fassade zuletzt und meist von innen, wenn Stuck erhalten bleiben soll

Der häufigste Fehler in dieser Klasse

Die Verlockung ist groß, mit neuen Fenstern anzufangen. In der Gründerzeit ist das die riskanteste Reihenfolge: Dichte Fenster in einer ungedämmten Wand mit vorhandener Sockelfeuchte führen fast zwangsläufig zu Schimmel in den Außenwandecken. Und: Fast jedes Gründerzeithaus in innerstädtischer Lage steht unter Erhaltungs- oder Denkmalschutz — die Fassade gehört dann nicht allein dem Eigentümer.

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